Die Bald'sche Schmiede in Arfeld
ist Südwestfalens Denkmal des Monats Mai
Hammer ist in Betrieb
Arfeld. Die Bald'sche Schmiede in Arfeld ist als Denkmal des Monats Mai ausgezeichnet worden, wie die Regionalgruppe Südliches Westfalen der Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne in NRW jetzt mitteilte. Die Schmiede in der Arfetalstraße wurde 1856 von dem Schmied und Landwirt Johann Heinrich Bald an das vorhandene Backhaus angebaut. Sie diente zunächst als Zuerwerbsbetrieb zu der bestehenden Landwirtschaft.
Der nahe Arfebach bewog Johann Heinrich Bald Jun., bei seinen Bauplänen die Nutzung der Wasserkraft einzubeziehen. 1907 erfolgte daher eine umfassende Erweiterung um eine Wagnerei, einen Überbau für geschützten Hufbeschlag und den Aufbau eines neuen Stockwerks mit Anlage eines oberschlächtigen Wasserrades. Die Pläne wurden von dem Architekten Heinrich Rompel aus Schwarzenau erstellt und am 15. Juni 1907 wurden die Baumaßnahmen vom Kreisausschuss genehmigt. Der Bezirksausschuss erteilte am 10. August 1925 die wasserrechtliche Genehmigung.
Das Wasserrad trieb mit seinen 24 Schaufeln aus Metall nun verschiedene Geräte und Maschinen an. Die Kraftübertragung erfolgte – damals wie heute – auf ein Zahnradvorgelege, dann die Übersetzung auf ein Schwungrad und mittels Drahtseil auf eine Zwischenwelle der Transmission. Die Maschinen, wie Bandsäge mit Fräse, Bohrständer und Schleifbock, konnten einzeln zugeschaltet werden.
Johann Heinrich Bald Jun. und sein Sohn Heinrich waren nun in der Lage, die für die hiesige Landwirtschaft und Holzindustrie erforderlichen Wagen in Holz- und Stahlbauweise sowie andere landwirtschaftliche Geräte unter einem Dach in der Schmiede und der Wagnerei zu produzieren. Bereits 1907 wurden ein Geselle und ein Lehrling beschäftigt. Das Beschlagen von Ochsen, Kühen und Pferden gehörte zur täglichen Arbeit. Für die örtliche Holzindustrie wurden Spezialgeräte und Werkzeuge gefertigt. Im Zweiten Weltkrieg und auch noch danach fertigte Balds Onkel Heiner, so wurde der letzte Schmied genannt, auch noch den heute nicht mehr bekannten Schuhbeschlag, wie Absatzeisen, vordere Plättchen und Sohlennägel an.
Der letzte hauptberufliche Schmied war Heinrich Bald. Im Jahr 1976 wurde der Schmiedebetrieb eingestellt. Im Jahre 1984 wurde die verwaiste Schmiede und die Wagnerei auf Initiative des Heimatvereins Arfeld von der Stadt Bad Berleburg übernommen. Der Kaufpreis wurde durch Spenden, die der Verein zusammentrug, aufgebracht und in unzähligen Arbeitstunden reparierten und restaurierten Mitglieder des Heimatvereins Schmiede, Wagnerei, Werkzeuge und Maschinen. 1991 wurde die Schmiede neu eröffnet. Seitdem finden Vorführungen der Schmiedetechnik statt und die in der Wagnerei und Schmiede gefertigten handwerklichen und landwirtschaftlichen Gerätschaften können im Obergeschoss besichtigt werden. Die Schmiede ist eingebunden in ein Kulturprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Räume dienen bei dörflichen Veranstaltungen auch der Allgemeinheit. Im Jahr 2004 wurde ein Anbau für den nach Originalzeichnungen nachgebauten „Arfelder Hammer“, der bereits im Jahre 1912 mit Wasserkraft ganz in der Nähe betrieben wurde, errichtet. Der Backofen des Backhauses wird mehrmals jährlich genutzt.
Die Schmiede ist von April bis Oktober jeden ersten und dritten Samstag von 10 bis 12 Uhr geöffnet und wird seit 1. April 2009 übrigens auch als Trauzimmer des Standesamtes genutzt.
SWA-Anzeiger (Siegener Zeitung) vom 11.04.2010
Bildquelle: SZ-Foto








