750 Jahre Bad Berleburg:
Tag der Stadtgeschichte und
Verlegung der "Stolpersteine"
Sieben Stellen der Erinnerung
In zwei Wochen werden zum Tag der Geschichte
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Über 15.000 Stolpersteine wurden in Deutschland, aber auch in Österreich, den Niederlanden und Ungarn verlegt. Demnächst folgen Tschechien, Polen, Belgien, es gibt Anfragen aus Frankreich und Italien. Doch erst ist noch mal Wittgenstein das Ziel.
Bad Berleburg. (jg) Gunter Demnig kommt am Dienstag, 2. September, wieder einmal nach Wittgenstein und hat eine ganze Ladung neuer Stolpersteine im Gepäck. Ab 9 Uhr wird er bereits zum fünften Mal in Bad Laasphe zur Tat schreiten, in Bad Berleburg wird er zum ersten Mal Stolpersteine verlegen. Und das passt gut, schließlich ist dieser Tag der Tag der Geschichte im Rahmen der Feierlichkeiten zur Berleburger 750-Jahr-Feier. 35 Steine sind es für Bad Berleburg, verlegt werden diese an sieben verschiedenen Stellen. Ausgangspunkt ist die Jacob-Nolde-Straße, von dort geht es über Emil-Wolff-Straße und Ederstraße zur Hochstraße. Bevor die Veranstaltung im Haus der kreiskirchlichen Dienste an der Berleburger Schlossstraße ausklingt
Genau gesagt geht es um 12.30 Uhr an der Jacob-Nolde-Straße 5 los, wo ab diesem Tag der Geschichte sieben glänzende Messingplatten an Moritz und Auguste Gonsenhäuser und deren fünf Söhne erinnern werden. Nachdem Gisela Weissinger im Namen des Berleburger Arbeitskreises für Toleranz und Zivilcourage die Begrüßung der Gäste übernommen hat, sprechen Bürgermeister Bernd Fuhrmann und Landrat Paul Breuer ein Grußwort.
Für den musikalischen Rahmen sorgt Thomas Salzbauer mit seinem Saxophon, Zehntklässler der Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein-Schule verlesen die Texte der Steine, die Gunter Demnig selbst in den Bürgersteigen verlegt. Beim ersten Haus wird der Amerikaner Roy Gonsenhäuser das Wort ergreifen. Er ist der Sohn von Ludwig Gonsenhäuser, der 1911 in Berleburg geboren, 1936 als Jude zur Emigration gezwungen und dennoch 1971 in Berleburg beigesetzt wurde - weil das sein innigster Wunsch war. Für Gisela Weissinger ein Ausdruck des "schmerzhaften Verlustes von Heimat", den sie in vielen Gesprächen mit Nachfahren Berleburger Juden herausgehört habe. Außer Roy Gonsehäuser reisen zwei Goldschmidt-Enkeltöchter aus den Niederlanden und Südfrankreich sowie Blumenthal-Nachfahren aus Israel und Düsseldorf an. Das Thema, über das Ludwig Gonsenhäuser spricht, lautet: "Ein fruchtbares Zusammenleben wurde zerstört - die gegenseitige Bereicherung der jüdischen und nicht-jüdischen Bevölkerung in Deutschland gibt es nicht mehr."
Aus der Jacob-Nolde-Straße geht es weiter zur Emil-Wolff-Straße 15, hier wird an die fünfköpfige Familie Levi Krebs erinnert. Nicht nur mit den Steinen, sondern auch noch einmal in gesprochenen Worten durch Mitarbeiter des Arbeitskreises. Dieses wiederholt sich zwischen dem Gasthof "Zum Weißem Roß“ und der Odebornsbrücke. Hier geht es um zehn Mitglieder der Familie Goldschmidt. An der Emil-Wolff-Straße 5 werden Stolpersteine für Ida und Walter Beifus verlegt, an der Ederstraße 20 für die vierköpfige Familie Albert Stern, an der Ederstraße 5 für die fünfköpfige Familie Julius Krebs, an der Hochstraße schließlich für Else und Lore Blumenthal. Sie war Jahrgang 1922, von ihrer Familie haben die Berleburger zahlreiche alte Bilder bekommen. Der Arbeitskreis würde sich freuen, wenn Berleburger noch Information zu den Menschen auf den Bilder haben.
Viele Fotos kann man übrigens auch bei der Abschlussveranstaltung im Kreiskirchenamt anschauen. Diesen Programmpunkt sollte man sich nicht entgehen lassen, hier bekommen die Namen Gesichter. Die Aktion "Stolpersteine" wird übrigens für Bad Berleburg weitergeführt, deshalb sind Spenden auf dem Konto des evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein unter dem Stichwort "Stolpersteine" weiter willkommen. Die Kontonummer lautet 200 133 70 28 bei der KD-Bank Duisburg mit der Bankleitzahl 350 601 90. Die nächste Verlegung ist für Februar geplant. Zunächst werden nur Stolpersteine für Juden verlegt, mit deren Nachfahren die Aktion abgestimmt ist. Hier habe der Arbeitskreis Zustimmung und Dank für die Aktion erfahren. Man würde auch Stolpersteine für andere Verfolgte verlegen. Bei den Zigeunern wäre dem Arbeitskreis die Zustimmung der Nachfahren extrem wichtig, und für andere aus Berleburg verschleppte Nazi-Opfer fehle es oftmals schlicht und egreifend an Informationen.
Spendenkonto:
KD-Bank Duisburg
BLZ 350 601 90
Kto. 200 133 70 28
Ev. Kirchenkreis Wittgenstein, Stichwort "Stolpersteine"
Siegener Zeitung (SZ) vom 19.08.2008
Bildquelle: SZ-Foto (1) von privat








