"Grünewälder Strief 2008":
350 Mittelalter-Zeitreisende drehten im Grünewald für zwei Tage die Uhr zurück

Das große Feuer-Spektakel am Samstagabend war das Glanzlicht der Veranstaltung. (SZ-Foto: bw)
Das große Feuer-Spektakel am Samstagabend war das Glanzlicht der Veranstaltung. (SZ-Foto: bw)

Echt in allen Belangen

Wenn das Mittelalter
in Wittgensteins Wäldern Einzug hält –
dann ist wahrscheinlich mal wieder
"Grünewälder Strief".

Bad Berleburg. (akm) Mittelalter-Fans kamen am Wochenende voll auf ihre Kosten, denn der Wittgensteiner Tross veranstaltete bereits zum achten Mal in Kooperation mit der Familie Pompl vom Gasthof "Jagdstuben Grünewald" den Grünewälder Strief auf der großen Wiese zwischen Aue und Berghausen und lockte Interessierte mit zahlreichen ausgefallenen Attraktionen. Manche bezeichnen ihn als Wittgensteins aufwendigstes Volksfest, nicht umsonst ist der Grünewälder Strief auch weit über die Grenzen Wittgensteins hinaus populär. In der Mittelalter-Szene ist die Veranstaltung einer der Höhepunkte im Terminkalender und so kamen zahlreiche Dar- und Aussteller aus dem gesamten Bundesgebiet nach Wittgenstein, um ihre Passion auf eindrucksvolle Weise zur Schau zu stellen.

Magister Reinhold von Chattenburck bei seiner Eröffnungsrede. Hier prüft er gerade die Ware eines Töpfers und erlaubt diesem, auf dem Markt mit seinen Waren Handel zu treiben. (SZ-Foto: akm)

Früh übte sich auch im Grünewald, wer ein echter Ritter werden will. (SZ-Foto: bw)
Magister Reinhold von Chattenburck bei seiner Eröffnungsrede. Hier prüft er gerade die Ware eines Töpfers und erlaubt diesem, auf dem Markt mit seinen Waren Handel zu treiben. (SZ-Foto: akm)

Es war eine eigene kleine Welt, die die Veranstalter auf dem großen Areal rund um den Gasthof für den Mittelaltermarkt mit Trossgelage am Samstag und Sonntag geschaffen hatten. Ein weitläufiges Zeltlager mit einer imposanten Palisaden-Festung weckte in den Ederauen Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Über 350 Darsteller begegneten den Besuchern an den beiden Tagen, sie vermittelten eine Vorstellung vom damaligen Leben und Arbeiten. Die Szenen waren dabei so authentisch, dass man sich sofort über 500 Jahren zurückversetzt fühlte, so als hätte man wirklich die Möglichkeit, Zeitreisen zu unternehmen. Nicht nur die mittelalterlichen Gewänder trugen zu diesem Schein bei, auch der familiäre Umgang der Darsteller untereinander und mit den Gästen brachte harmonisches Flair mit.

Erstes Glanzlicht des Programms war die Markt-Eröffnung durch den Marktvogt, Magister Reinhold von Chattenburck, der mit Witz und Charme die unterschiedlichen, angebotenen Waren begutachtete und anschließend darüber entschied, ob der Händler seine Produkte auf dem Mittelaltermarkt in Wittgensteins Wäldern vertreiben durfte oder nicht. Zum Glück für alle Aussteller hatte er gegen keine Ware etwas einzuwenden, so dass sich vor dem Auge des Besuchers schon bald allerlei Stände aufbauten, an denen man beispielsweise mittelalterlich scheinende Bücher und Kleidung, Likör, Schmuck, Musik oder Spielzeug erstehen konnte.

Die Musikanten von "Schabernax" unterhielten die Gäste mit mittelalterlichen Melodien auf historisch belegten Instrumenten ebenso gut wie die vier Damen von "Filia Irata", die schon bei der WeihnachtsZeitReise der Stadt Bad Berleburg einen Teil des musikalischen Rahmens gestaltet hatten. Die Waffenschmiede, Löffelschnitzer, Reepschläger und Lederer führten zudem ihr jeweiliges Handwerk vor.

Eine der Hauptattraktionen an beiden Tagen war die Erstürmung der Palisaden-Festung, bei der man die Schlachten von Söldnern und Rittern detailgetreu nachstellte. Etwa 80 Schwergerüstete und Bogenschützen, deren Bewaffnung eine befreundete Gruppe aus dem Siegerland in wochenlanger Vorbereitung eigens für diese Veranstaltung gefertigt hatte, trafen in den Duellen aufeinander.

Auch die Bogenschützen-Turniere, an denen mutige Besucher teilnehmen konnten, sofern sie denn im Besitz der richtigen Garderobe und eines historischen Bogens waren, und das gigantische Feuer-Spektakel am Samstagabend gehörten eindeutig zu den großen Unterhaltungspunkten auf der Programmliste, die bei den Gästen reichlich Zuspruch fanden.

Bei der Verpflegung setzte man ebenfalls völlig auf vergangene Zeiten. Es wurden Met und mittelalterliche Backwaren angeboten. Auch die Jagdstube hatte sich kulinarisch auf das Themen-Wochenende eingerichtet und ein mittelalterliches Menü auf die Karte gesetzt. Zweifelsohne war der Markt, wie auch schon in der Vergangenheit, einer der Höhenpunkte des kunterbunten und vollgepackten Wittgensteiner Veranstaltungskalenders des vergangenen Wochenendes.

Siegener Zeitung (SZ)

Siegener Zeitung (SZ) vom 22.09.2008
Bildquelle: SZ-Fotos (3) von bw (2) und akm (1)

 
 


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