Wollmarkt ist Heimat und Brauchtum
Rund 20.000 Besucher in Bad Berleburg
Bad Berleburg. (cv) Sinan weiß seit gestern genau, wie aus einem dicken Schafsfell Wolle wird. Beim 21. Wollmarkt hat der Siebenjährige die Vorführungen haarscharf beobachtet. Er zählte zu den rund 20.000 Besuchern, die zur ersten großen Freiluft-Veranstaltung in diesem Jahr nach Bad Berleburg gekommen waren.
Und dort wurde wieder allerhand geboten. Im Vordergrund stand Heimatliches und Tradition auf dem Marktplatz. Dort war schon zur Eröffnung um 11.30 Uhr kein Sitzplatz mehr frei und so konnte Schirmherr Helmut Dreisbach den Markt vor "vollem Haus" eröffnen. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Wittgenstein erinnerte daran, dass der Traditionsmarkt ursprünglich aus der Landwirtschaft heraus entstanden sei. Nach der Neuauflage durch die Veranstaltergemeinschaft aus Heimat- und Verkehrsverein sowie dem Verein Bad Berleburg Markt und Tourismus sei im Jahre 1989 eine gute Kooperation in Gang gesetzt worden. "Die enormen Besucherzahlen sprechen für sich", lobte Dreisbach. Der Wollmarkt eigne sich gut, die "Brücken zwischen Alt und Jung immer wieder zu erneuern". Der Schirmherr rief eindringlich zum Zusammenhalt der Wittgensteiner auf, das gelte auch "über Dorf- oder Vereinsgrenzen hinaus". Dadurch können dem demografischen Wandel entgegengewirkt werden, und "die Jugend kann später sagen ,Unsere Heimat ist lebenswert'".
Bürgermeister Bernd Fuhrmann lud alle Gäste ein: "Lassen Sie sich hier bei uns rund um die Wolle inspirieren! Fühlen Sie sich bei uns wohl. Wir laden Sie zum Bummeln, Staunen und Kaufen ein." Als Geschenk bekam Fuhrmann von den Veranstaltern ein "weißes Kaninchen mit roten Augen" - Verstärkung also im bereits vorhandenen Stall.
Um Kaninchen ging es auch im Zelt des Kleintierzuchtvereins Bad Berleburg und Umgebung. Dort präsentierten die Mitglieder 13 verschiedene Rassen vom Groß-Chinchilla über weiße Neuseeländer bis zu den Zwergschnecken, die bei dem Publikumsandrang aber lieber in ihrem Häuschen blieben. Wie ein Kaninchen geschoren wird, verfolgten insbesondere hellwache Kinderaugen bei der Schur des Züchters Fritz Eberhardt aus Attendorn.
Die Schur stand auch im Mittelpunkt bei den Schaf- und Hütefreunden Wittgenstein. Hier führte Thorsten Walczoch fachmännisch mit der Maschine vor, wie blitzschnell es geht, bis das Schaf "nackt" ist. Den interessierten Schaulustigen lieferte Oliver Junker-Matthes Wissenswertes über die Rassen und erläuterte, was auf der kleinen Bühne vor sich ging. Schwärzköpfe, Deutsche Texel oder blaue Texel sowie die englischen Devon Longwood waren Blickfang im überdachten Gatter.
Kulinarisch ließ der Wollmarkt keine Wünsche offen. Natürlich gab es wieder Lammfleisch in allen Variationen, Bratwürstchen, Pilzragout, Geschnetzeltes sowie Waffeln oder Herzhaftes. Zur leckeren Verpflegung trugen auch die Abordnungen der Jubiläumsdörfer Weidenhausen und Alertshausen bei.
Von Christoph Vetter
Blitzendes Chrom an zahlreichen Flitzern
Händler und Besucher lobten Automesse
Bad Berleburg. (hal) Die 1. Sparkassen-Automesse hat gestern die gewünschte Resonanz erfahren. Andreas Reinéry, Geschäftsführer von Bad Berleburg Markt und Tourismus, sprach von einer gelungenen Ergänzung des Wollmarktes und von einer guten Verbindung von Tradition und Moderne.
"Viele Kunden", so Dirk Weber von Toyota/Opel Kroh "fragen gezielt nach der Abwrackprämie". Ein zufriedenes Gesicht auch bei Detlev Moszicke aus Aue. Er zeigte sich von dem starken Andrang angetan und habe "schon Messen besucht, die längst nicht so erfolgreich gelaufen sind." Kein Wunder also, dass Roland Lauber (Mercedes Müller), Birgit Althaus-Schulz (Peugeot Althaus) oder Stephan Beuter (Autohaus Beuter) sowie die Repräsentanten der Autohäuser Krüger, Acker und Paul ebenfalls voll des Lobes waren.
Auch Sparkassenmitarbeiterin Jutta Plaschke konnte nicht über Langeweile klagen. Anhand der Gewinnspiel-Coupons hat sie festgestellt, dass sich sehr viele Auswärtige aus dem Sieger- und sauerland auf den Weg an die Odeborn gemacht hatten.
Von Heiner Lenze
Hauptattraktion 300 Kilogramm schwer
Autofreie Poststrasse wieder Flaniermeile
Bad Berleburg. (hal) Eine der Attraktionen auf der autofreien Poststraße war ein rund 3 Meter langes und 300 Kilogramm schweres Gerät - die Spargelschälmaschine von Peter Viertmann aus Niedersfeld. Beim Schälen des Edelgemüses kommen acht grobe und ebenso viele feine Messer zum Einsatz, die beim Schälen mit Luftdruck an den Spargel gepresst werden.
Die Kapazität liegt bei rund 1.000 Stangen Spargel pro Stunde, erklärt der stolze Besitzer des Wundergerätes, das mit stolzen 25.000 Euro zu Buche schlägt. Deutlich billiger waren die Angebote der zahlreichen Händler, die Berleburgs Haupteinkaufsstraße in einen riesigen Jahrmarkt verwandelten. Mit dabei auch fünf nette Damen, deren Wiege mal in Asien gestanden hat. Die Köchinnen aus Thailand und Laos offerierten Hühnerfleisch und gebratene Nudeln nach Originalrezept. Schmuck, Textilien, Kunst und hölzerne Küchenutensilien rundeten das umfangreiche Angebot ab. Auch der Berleburger Einzelhandel nutzte die Gunst der Stunde und lockte mit zahlreichen Sonderaktionen.
Von Heiner Lenze
In die hohe Kunst des Dämpfens eingeführt
Auch Herrenwiese lockte mit Angeboten
Bad Berleburg. (hal) Der Ansturm auf die Geschäfte in der Herrenwiese hielt sich gestern in Grenzen. Denn Publikumsmagnet war dort in unmittelbarer Nachbarschaft eher das Kart-Rennen des AMC Bad Berleburg-Wittgenstein, deren Mitglieder dort auch für die Bewirtung sorgten.
Köstlichkeiten standen aber auch im Möbelhaus Hackenbracht auf dem Programm, wo Nils Schlegel vornehmlich Damen in die hohe Kunst des Dampfgarens einführte. Zubereitet wurde Hähnchenfleisch und Gemüse wie Paprika, Mais oder Zucchini, das der Koch aus Frankfurt zuvor mariniert hatte. "Ein Lob an die Küche", formulierte es Inge Pusch, die jetzt ernsthaft darüber nachdenkt, sich einen Dampfgarer anzuschaffen. Auch Kollegin Dorothea Dörr zeigte sich von der Zubereitungsart begeistert. Speisen verlieren beim Garen kaum Vitamin- und Mineralstoffe.
Auch das Motorradgeschäft Witten & Weber, Fliesen-Fachhändler Kloos oder "Bier-Fritz" konnten zahlreiche Interessierte im Innen- und Außenbereich begrüßen und bewirten.
Von Heiner Lenze
Westfalenpost (WP) vom 04.05.2009
Bildquelle: WP-Fotos (2) von Christoph Vetter (cv), WP-Fotos (3) von Heiner Lenze (hal)











