Gottesdienst mit mittelalterlichen Parforcehörnern wurde für Zuhörer in Bad Berleburg wieder zu einem besonderen Erlebnis
Beeindruckende Klänge in der Kirche
Bad Berleburg. (cw) "Wegen Überfüllung geschlossen" kann wohl heute kein Pfarrer bei den Gottesdiensten behaupten. Dass aber die Tradition der Hubertusmesse diese Aussage wahr werden lässt, ist auch in der Berleburger Stadtkirche zur erfreulichen Tendenz geworden.
Zum zweiten Mal nach 2006 füllte das Hornensemble "Souvenir de Nienover" den sakralen Raum am Schlossberg. In Berleburg ist die Renaissance dieser einmaligen Tradition mit Wechselspiel jagdlich-musikalischer Heiligenverehrung des Hubertus von Lüttich und der Würdigung der göttlichen Schöpfung um die Zeit des 3. Novembers, dem Tag der Heiligsprechung des Hubertus im Jahr 705, den Eheleuten Dr. Annia Röhl und Johannes Röhl zu verdanken. Beide sind Mitglieder der Musikergemeinschaft "Souvenir de Nienover", die zur Hälfte aus Berufsmusikern besteht. Bei einem freundschaftlichen Treffen im Jagdschlösschen Nienover am Solling entstand die Idee, mit dem rauen Klang der mittelalterlichen Parforcehörner ein außergewöhnliches Musikerlebnis zu gestalten.
Die 15 Hornisten, die sich der bestmöglichen Akustik halber rücklings dem Kirchenpublikum zuwandten, gaben nach der "Introduction" von Jules Cantin (1874-1956) mit den "Kyrien" Cantins und G. Rochards, dem "Gloria", M. Tyndares "Sanctus", "St. Hubert" der beiden Franzosen Dampierre und Cantin, der "Sortie de Messe" und dem "Marche des Cerf" ein eindrucksvolles Bild ihres breiten jagdmusikalischen Repertoires.
War es das Klangvolumen, die echoartigen Melodiefolgen, die durch das kanonartige Changieren des Hornensembles und der Orgelintonation des Kantors Hartmut Weidt entstand oder das imposante Auftreten der Ensemblemitglieder, das den Menschen im Kirchenschiff den Atem nahezu stocken ließ? Die Wirkung des Zusammenspiels des so lange in Berleburg beinahe in Vergessenheit geratenen Brauchtums war es, die das Gänsehautgefühl bei vielen anwesenden Jägern, Hegern, Naturfreunden und Gläubigen hervorrief.
Das Wort Gottes erhielt an diesem Abend die vokale Überlieferung durch Pfarrer Olaf Latzel, Bruder der Berleburger evangelischen Pastorin Claudia Latzel-Binder. Er versieht seinen Dienst in der Bremer Martinigemeinde und trat zunächst mit einer Lesung aus Psalm 90 und schließlich mit einer kämpferischen Predigt vor die Kirchenbesucher in Berleburg.
Der Verehrung des Lebens, die Vergänglichkeit und letztendlich der Tod des Jagdtiers und auch des Geschöpfes Mensch ließ den 41-jährigen gebürtigen Laaspher ungewohnt deutliche und laute Töne finden. Olaf Latzel sprach sie im Sinne des Heiligen Hubertus, der zunächst als Edelmann passioniert selbst der Jagd nachging, allerdings nach der legendären Begegnung mit einem zwischen den Geweihstangen ein Kreuz tragenden Hirschen der Jagd abschwor und sich seitdem der Geistlichkeit und der Verehrung Gottes zuwandte.
Martin Luther sprach die Worte "Gott bläst die Posaune, Gott gibt uns seinen Atem, Gott bringt uns zum klingen" - Anlass für die Konzertbesucher mit "Lobe den Herren" oder "Der Mond ist aufgegangen" aktiv an der Messe mitzuwirken.
Überwältigender Applaus beendete das Konzert in der Kirche, das sich dank des Publikumszuspruchs vor der Kirche minutenlang fortsetzte.
Westfalenpost (WP) vom 17.11.2008
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold







