"12 Hellweger Cellisten"
übertrafen die Erwartungen
Beschwingte Klänge zum 40-jährigen Bestehen der Berleburger Schlosskonzerte rissen die gut gelaunten Zuhörer mit
Bad Berleburg. (cw) War es der lang ersehnte Frühlingsanfang oder die Feierlichkeit zum 40-jährigen Bestehen der Berleburger Schlosskonzerte, die den Veranstaltern der Kulturgemeinde Bad Berleburg derart großes Gedränge in den behaglichen Räumlichkeiten der fürstlichen Familie bescherte? Eines jedenfalls war augenscheinlich: Die Luft schien geschwängert von guter Laune in Vorfreude auf den Auftritt der "12 Hellweger Cellisten" mit der sie begleitenden Sopranistin Sabine Brunke.
Und das Programm hielt nicht nur, was es versprochen hatte, sondern übertraf bei weitem die Ankündigungen. Dem Publikum war ein Ensemble angekündigt worden, dessen Musiker entlang des Ruhrgebiets-Hellweges von Dortmund bis Lippstadt beheimatet sind. Großartige Talente, die ihre familiären Wurzeln rund um den Erdball haben, gaben sich zum Konzertjubiläum ein Stelldichein feinster Güte.
Unter der musikalischen Leitung von Professor Matias de Oliveira Pinto aus Brasilien erstreckte sich das Repertoire an diesem festlichen Abend von Johann Sebastian Bachs barocken Klängen über César Francks (1822-1890) "Panis Angelicus", das mit einer zu Herzen gehenden Sabine Brunke intoniert wurde. Der Übergang zu den brasilianischen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts wie beispielsweise Ernesto Nazareth (1863-1934), Pablo Casals (1852-1908) und Heitor Villa Lobos (1862-1899) erwies sich als absoluter Glücksgriff. Waren doch die Musikliebhaber im Saal derart angetan von der Spontaneität, der Virtuosität und der Professionalität der Ensemblemitglieder.
12 Celli: da ging so mancher mit etwas reservierter Haltung hin, wurde aber bereits nach den ersten gespielten Akkorden gegenteilig und freudig überrascht. Die Stücke, die allesamt eine Umschreibung für das Streichinstrument erfahren haben, erklangen derart konzertant, als höre das Publikum ein Orchester mit ganzer Instrumentenvielfalt.
Einfalt und Ideenlosigkeit? Nein, Attribute dieser Natur können den "12 Hellwegern" mitnichten unterstellt werden. Eher Mut zum Wagnis ungewöhnliche Wege zu beschreiten mit der Interpretation von Jazzkomponisten wie Friedrich Pütz (geb. 1911) oder dem norddeutschen Wilhelm Kaiser-Lindemann (geb. 1940). Für viele Dauergäste der Schlosskonzerte war es recht schwierig, ruhig auf den Plätzen zu verharren, rissen die beschwingten südamerikanischen Weisen doch innerlich heftig mit.
Heute waren Thomas Büttner, Rita Fonotova-Klausmeier, Felicitas Stephan, Helga Voss, Simone Meyer, Nora Krahl, Marta Esperito Santo, Ulrich Rikus, Yokoeno Moto, Annette Demond, Christian Bongert, Matias de Oliveiro Pinto und Solistin Sabine Brunke nicht allein die Meister der Partituren, sie waren Maler wunderbarster Klänge und intonierter Farben von Pastell bis knallig-bunt, die die Räume und Menschen mit innigem Wohlgefühl durchdrangen.
Das Konzert fand mit "Yesterday" von den vier Liverpooler Pilzköpfen und Auszügen aus Leonard Bersteins "Westside Story" einen berauschenden Abklang, würdevoll getragen von Sabine Brunke, die ihr Stimmvolumen aufgrund der akustischen und architektonischen Voraussetzungen des Raumes stark zurückhielt.
Wermutstropfen des Abends war, dass bedauerlicherweise niemand der noch lebenden Gründer und früheren Gestalter und großen Macher der Berleburger Kulturgemeinde diesem entwaffnenden Ereignis beiwohnen konnte.
Von Christiane Weinhold
Westfalenpost (WP) vom 23.03.2009
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)







