Neue Kunstausstellung im Museum am Goetheplatz: "1+1=3" mit Werken der drei Künstler Gerhard Theis, Helmut Riekel und Günter Thibaut

Die drei aus dem Siegerland stammenden Künstler Gerhard Theis, Helmut Riekel und Günter Thibaut (von links). Mit im Bild der Künstler und Autor Olaf Neopan Schwanke, der thematisch in die Ausstellung einführte. (WR-Foto: Andreas Wolf)
Die drei aus dem Siegerland stammenden Künstler Gerhard Theis, Helmut Riekel und Günter Thibaut (von links). Mit im Bild der Künstler und Autor Olaf Neopan Schwanke, der thematisch in die Ausstellung einführte. (WR-Foto: Andreas Wolf)

Wunderstoffe der Farbe
als elementares
Ausdrucksmittel

Bad Berleburg. (wo) Zunächst waren es mit Günter Thibaut und Helmut Riekel zwei Künstler, die eine gemeinsame Ausstellung im Museum am Goetheplatz planten.

Doch schnell kamen sie mit Museumsleiterin Rikarde Riedesel zu der Erkenntnis, dass die Ausstrahlung der geplanten Schau um ein Vielfaches gesteigert werden könne, wenn zu den beiden Malern mit Gerhard Theis ein Bildhauer seine plastischen Arbeiten in den Raum geben und damit die Kunst um die dritte Dimension erweitern könne.

So entwickelte sich die Formel, dass aus einem Künstler und noch einem schnell drei geworden sind - "1+1=3", der Titel war gefunden, wie der Künstler und Autor Olaf Neopan Schwanke in seiner Einführung in die Ausstellung am Donnerstagabend erläuterte. Für Schwanke sind es drei Dinge, die in der Betrachtung und der produktiven Auseinandersetzung mit den Arbeiten der drei aus dem Siegerland stammenden Künstler zu denken geben: Farbe, Humor und Kongenialität.

Für die drei Künstler sei das Arbeiten mit den Wunderstoffen der Farbe, die uns die Welt zeigen, die nur wir so sehen können, die vermutlich aber ganz anders ist, elementares Ausdrucksmittel. Gerhard Theis traue sich, seine Plastiken auch stark unter das Primat der Farbigkeit zu stellen, ganz jenseits dem noch gar nicht so alten Diktum der einzig wahren Farbe, der Materialfarbe. "Poliert Theis den Edelstahl, hat er gar keine Farbigkeit mehr, sondern spiegelt die Farben seines ihm umgebenen Raumes." Und Thibaut und Riekel mischen ins Pigment Öl oder Acryl, Wasser oder Kreide und Wachs - und arbeiten dann eben mit Ölfarben, Acrylfarbe, arbeiten ein Aquarell oder Pastell. Und zaubern! Beide abstrakt - das heißt: nicht nach der Natur, sondern wie die Natur: kreativ! Also autonom erschaffend, wie Schwanke beschrieb.

Der Humor findet sich ebenfalls in diesen Werken: "Helmut Riekel baut in seine Bilder Alltagsfundstücke, witzige Anekdorten des gelebten Lebens, der zu erlebenden Ideen, Seile als Fallstricke oder Geschenkschlaufen, Text als Kommentar oder These, klar, komisch oder fragmentiert, rätselhaft, immer wieder Pfeile als Zeichen der Fokussierung, als international verständliches Piktogramm der Denkrichtungen", so Schwanke. Thibaut setze mit seinen Farben Schwerpunkte, die miteinander korrespondieren und immer wieder mit Fröhlichkeit aufeinander reagieren. "Thibaut und Riekel gemeinsam ist, dass sie auf dem Bildgrund eine Welt ordnen - der Plastiker ordnet sie darüber hinaus in Bezug zum Zwischenraum." Gerhard Theis gestalte seine Plastiken oftmals mit augenzwinkerndem Humor, gerade da, wo es anekdotische, also erzählende Skulpturen seien, sie sich nicht allein mit formalen Problemstellungen auseinandersetzen, sondern den betrachtenden Menschen etwas menschlich-ähnliches, ein Analogon vermitteln.

Und schließlich kongenial, das zusammen schaffend heiße. Und heraus komme mehr, als man erwartet habe. "Perfekt ist das Ganze, wenn es mehr ist, als bloß die Summe seiner Einzelteile," betonte Schwanke. Und tatsächlich passe das hier für die Kunst der drei, die sich so spannungsreich, so witzig, also geistreich, so emotional aufwertend ergänzen. Schwanke: "Eins und eins ist tatsächlich mehr als bloß zwei, ist plötzlich drei - und somit ganz logisch eine Metapher für unendlich vieles."

Eröffnet wurde die Ausstelung im Museum am Goetheplatz vom stellv. Bürgermeister Waldemar Kiel. Bildende Kunst fordere vom Betrachter immer mehr als nur einen kurzen Blick: "Schön, gefällt mir und weiter, dann bleibt das Kunstwerk und auch der Betrachter im Dekorativen stecken", so Kiel. So könne man schön gestaltetes Geschenkpapier betrachten, aber nicht Kunst. "Oder hängen Sie sich selbiges an die Wand?"

Die Ausstellung ist bis zum 7. Dezember zu sehen. Die Öffnungszeiten: Dienstag, Freitag, Samstag, Sonntag sowie an allen Feiertagen jeweils von 15 bis 18 Uhr.

Von Andreas Wolf


Westfälische Rundschau (WR)

Westfälische Rundschau (WR) vom 08.11.2008
Bildquelle: WR-Foto (1) von Andreas Wolf (wo)

 
 


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