Arirang-Quintett begeisterte im Berleburger Schloss
mit Mozart, Beethoven, Reicha und Piazzolla

Virtuose Fahrt ins Ungewisse

Mit einem ausgefallenen Bläserkonzert begeisterte das Arirang-Quintett im Bad Berleburger Schloss. (WR-Foto: Julia Eiden)
Mit einem ausgefallenen Bläserkonzert begeisterte das Arirang-Quintett im Bad Berleburger Schloss. (WR-Foto: Julia Eiden)

Bad Berleburg. Einen großen musikalischen Bogen, von Mozart bis Piazzolla, schlug das Arirang-Quintett im Foyer des Schlosses. Die Kulturgemeinde freute sich, endlich wieder einmal ein hochwertiges klassisches Bläserquintett präsentieren zu können, indem sich fünf Solisten frisch und harmonisch zugleich ergänzten. "Arirang" ist der koreanische Ausdruck für ein Gruppenlied, und die Freude am gemeinsamen Musizieren brachte schließlich die Künstler des Quintetts zusammen.

In seiner Begrüßung erklärte Flötist Friedrich Haberstock, dass zu Zeiten von Mozart und Beethoven noch keine Stücke für Bläserquintett geschrieben wurden: "Deshalb haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und alle Werke bearbeitet."

Klagende, an einen Trauerzug erinnernde, einem fast das Herz zerreißende Töne eröffneten mit Mozarts Adagio und Allegro f-moll für ein Orgelwerk KV 594 das Konzert. Kurz darauf der Wechsel zu einem fast beschwingten Mittelteil in Dur mit grazilen Trillern und schnellen Läufen von Flöte nebst Oboe (Jörg Schneider), die sich über dem dunkler gefärbten Klangteppich der anderen Instrumente erhoben. Dann wieder ein Umschlagen der Stimmung in Wehmut und Trauer, mit hohen, das Ohr schmerzenden Frequenzen der Querflöte.

Frohgelaunt und mit Trillern verziert war das Allegro des Oktetts für Bläser Es-Dur op. 103 von Ludwig van Beethoven. Mit einer wunderschönen Kantilene besang die Oboe das Andante, bezauberte beim Duett mit dem schmeichelnd weichen, wie auch tiefem, imposanten Klang des Fagotts (Monika Schneider) und dramatischen Einwürfen der Klarinette (Steffen Dillner). Nach dem Menuett mit seinen netten Echowirkungen war das abschließende Presto einfach umwerfend. Wie das übermütige Zwitschern einer ausgelassenen Vogelschar hörten sich die stakkatoartigen hochfrequenten Tonrepetitionen über dem tiefen Klang des Horns (Sebastian Schindler) an. Die geradezu neckischen Passagen erforderten äußerst präzises Zusammenspiel und Virtuosität, zauberten ein Lächeln in die Gesichter der begeisterten Zuhörer.

In den kleinen Schlagabtausch von Flöte und Fagott im ersten Satz des Bläserquintetts Nr. 4 d-moll op. 88.4 von Anton Reicha mischte sich brillant die Oboe ein, beteiligten sich munter auch Klarinette und Horn. Nach den ruhigen Themen des Andante und den spielerischen Motiven im Minuetto (Allegretto) - Trio begann das abschließende Allegro vorwärtsdrängend, übernahmen die einzelnen Instrumente die melodischen Vorgaben der Flöte, vereinten sich alle fünf für einige Takte, um danach wieder als Einzelkämpfer in die musikalische Arena zu steigen - großartig.

Astor Piazzolla holte den Tango aus den Bordellen von Buenos Aires heraus, verband seine archaischen Elemente mit klassischer Moderne sowie Jazz und schuf hiermit seinen ganz persönlichen Stil; "Historie du Tango" ist die musikalische Erzählung dieser Entwicklung. Viel Stakkato und Schenkelklopfen versinnbildlichen das "Bordel", tief melancholisch spielte im "Cafe" jedes Instrument seine Version des Themas, um dann doch mit den anderen zusammenzufinden - wie eben beim Tangotanz: Abstoßung und Anziehung. Gefühlsbetonte Hornpassagen und aufkeimende Lebensfreude gab es im "Nightclub", und beim letzten Satz, dem "Concert d 'aujourd'hui", da musste man sich einlassen auf den musikalischen Drive, auf die stilwechselnde Fahrt ins Ungewisse, die virtuos wie grandios verlief.

Als Dank für den aufbrausenden Applaus gab es als Zugabe "einen robusteren Beethoven", wie Haberstock schmunzelnd bemerkte, und zwar den ersten und zweiten Satz von Terence Greaves "Beethovens Fifth Bossa Nova": schmissig, jazzig, fröhlich und verschmitzt, einfach große Klasse.

Von Julia Eiden


Westfälische Rundschau (WR)

Westfälische Rundschau (WR) vom 05.02.2009
Bildquelle: WR-Foto von Julia Eiden

 
 


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