Zehntausende Besucher beim traditionellen Wollmarkt
Bad Berleburg. (lpd) Bei "Kaiserwetter" kamen zehntausende Besucher aus nah und fern zum 20. Wollmarkt mit verkaufsoffenem Sonntag nach Bad Berleburg. Zu sehen und bestaunen gab es nicht nur Schafe und Schafprodukte, sondern auch Handwerksvorführungen. Garniert mit viel Musik und einer für den Verkehr gesperrten Flaniermeile "Poststraße" wurde es ein gelungenes Volksfest.
Schafe, Schur und Sonntags-Shopping
Veranstaltergemeinschaft zufrieden mit zehntausenden Besuchern auf dem Markt und in den Läden
Bad Berleburg. (sk) Der Himmel über Bad Berleburg zeigte sich gestern passend zum 20. Wollmarkt mit strahlendem Sonnenschein und weißen Schäfchenwolken.
In seiner Eröffnungsrede dankte der Vorsitzende des Bad Berleburger Heimat- und Verkehrsvereins, Günther Hirschhäuser, den zahlreichen Schafzüchtern, die auch in diesem Jahr wieder ihr Handwerk und ihre Produkte dem interessierten Publikum zur Schau stellten.
Etwa 70 Schafe und zentnerweise Wolle hatten diese in das Herz der Bad Berleburger Innenstadt geschafft und boten allerlei Waren aus Schurwolle, wie beispielsweise Socken, feil. Daneben gab es auch Schaffelle und natürlich allerlei Köstlichkeiten vom Lamm.
Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann, ebenfalls angetan vom herrlichen Wetter, hob den Wollmarkt als erfolgreiche Verknüpfung von Brauchtum und Innovation hervor und dankte dem ausrichtenden Heimat- und Verkehrs- sowie dem Touristikverein für das Engagement.
Besonders vor dem Hintergrund, dass viele Schafe, auch in Wittgenstein, an der für den Menschen allerdings ungefährlichen Blauzungenkrankheit leiden, sei es besonders erfreulich, dass der Wollmarkt dennoch veranstaltet werden könne.
Dies bestätigte auch Schirmherr Gerd Karpf, der Vorsitzende des Wittgensteiner Heimatvereins, der auf die lange Tradition des Wollmarktes hinwies. Über 230 Mal hätte es diesen in der Geschichte Berleburgs schon gegeben. Der Markt sei somit ein wichtiges Bindeglied zwischen Mensch, Natur und Kreatur, das auch für nachfolgende Generationen nachhaltige Vorteile habe.
Ebenfalls gedankt wurde Andrea Knebel, der "Mutter des Wollmarktes", wie es Touristikvereins-Geschäftsführer Andreas Reinéry ausdrückte. Knebel organisiert das Marktgeschehen seit vielen Jahren für den Touristikverein.
Die guten Wünsche vom Vormittag sollten sich im Laufe des Tages bewahrheiten: Gegen Nachmittag flanierten Zehntausende in Menschentrauben über Poststraße und Marktplatz, um bei dem anhaltenden Kaiserwetter den Besuch des Wollmarktes mit einem Stadtbummel zu verknüpfen.
Der Einzelhandel zeigte sich von dem verkaufsoffenen Sonntag ebenfalls begeistert; so herrschte in vielen Läden geschäftiges Treiben und gute Laune. Im Teeladen an der Poststraße wurde in entspannter Atmosphäre bei selbstgebackenen Törtchen und frischem Tee geplaudert. Der Besucherandrang tue dem Geschäft gut, so die Inhaberin freudig.
Der große Publikumsmagnet war in diesem Jahr allerdings wieder die Vorführung des Schafscherers Carsten Walczok auf dem Marktplatz, bei der es ausgewählten Paarhufern im wahren Sinne des Wortes an die Wolle ging. Für die Kinder besonders anziehend: die Lämmer in den vor dem Jugendcafé aufgestellten Gattern. Neben Schafen und Lämmern waren hier auch Ziegen zu finden, die sich lautstark in Szene setzten.
Andere Schaf-Liebhaber lockte weniger die niedlichen Tiere im Gatter als vielmehr der würzige Duft von leckerem Lamm, das sich am Spieß über dem Feuer drehte.
Dass der Bad Berleburger Wollmarkt auch weit über die Grenzen Wittgensteins bekannt ist, zeigten zahlreiche auswärtige Besucher, die aus Frankfurt, Münster, Osnabrück oder Holland an die Odeborn gekommen waren.
Hintergrund
Ein Rasenmäher, der wärmt und schmeckt
- Bis 1950 wurden in Deutschland Schafe hauptsächlich zur Wollgewinnung gezüchtet. Der Schwerpunkt verlagerte sich in den folgenden Jahren auf den Fleischgewinn.
- Grund für die Produktionsverlagerung sind die billigeren künstlichen Fasern. 1950 kostete ein Kilogramm Wolle noch etwa 4,50 DM (2,25 Euro) und das Wollgeschäft machte 90 Prozent des Umsatzes aus; heute sind es pro kg zwischen 50 und 75 Cent.
- Zunehmend werden Schafe heutzutage auch als Milchtiere gehalten. Die Fellproduktion ging in den vergangenen Jahren stark zurück.
- Immer öfter finden Schafe auch eher unkonventionelle Nutzung in der Landschaftsplanung: Wegen ihres festen Trittes werden sie auf Deichen gehalten, um Dammbrüchen vorzubeugen. Außerdem verhindert das Abgrasen die Verwaldung oder Versteppung von Heiden und Grünflächen.
- Der Schafsdarm findet Anwendung bei der Bespannung von Musikinstrumenten und früher auch bei Tennisschlägern sowie als Nahtmaterial in der Medizin.
Westfälische Rundschau (WR) vom 05.05.2008
Bildquelle: WR-Fotos (3) von Lars-Peter Dickel










