Ausstellung zur Musikfestwoche
mit Zeichnungen und Plastiken von Ansgar Nierhoff

Die Professoren Ansgar Nierhoff (li.) und Dr. Manfred Schneckenburger vor einer Plastik des Künstlers. (WR-Bild: Stefan Kascherus)
Die Professoren Ansgar Nierhoff (li.) und Dr. Manfred Schneckenburger vor einer Plastik des Künstlers. (WR-Bild: Stefan Kascherus)

Ein Künstler,
der nichts Künstliches präsentiert

Bad Berleburg. (sk) Dunkel, rau, verglüht, bedrückend. Der Kölner Künstler Ansgar Nierhoff präsentiert zur Eröffnung der Bad Berleburger Musikfestwoche in einer Doppelausstellung in Schmallenberg und Bad Berleburg Werke aus seiner gesamten Schaffenszeit.

36 Zeichnungen und Plastiken sind in Nierhoffs Ausstellung im Museum der Stadt Bad Berleburg am Goetheplatz zu sehen. "umFormen umStellen" nennt sich das Programm des Eisenbildners, der in der Region besonders für seine Skulptur "SteinZeitMensch" am Rothaarsteig bekannt ist.

Die "Antiformen", die bei der Vernissage im Museum am Goetheplatz zu sehen sind, sind anders. Sie haben nicht viel gemeinsam mit der überdimensionierten, bearbeiteten Größe der Rothaarsteigskulptur, vielmehr vermitteln sie den Eindruck von einer natürlichen Künstlichkeit, der die Kunst in weiten Teilen abhanden gekommen ist. Dies, so Professor Nierhoff im WR-Gespräch, sei ebenso gewollt. Nichts Künstliches, die Art der Dinge wolle er dem Betrachter präsentieren - ohne etwas suggerieren zu wollen. Denn: Nierhoff bildet nichts ab, er "manifestiert seine Handlungen, daraus ergeben sich Ergebnisse, die so nicht geplant sind und nicht geplant werden konnten", so Nierhoff auf die Frage, ob seine Plastiken und "Zeichnungen" einem Thema, einem Schema oder gar einer Zielsetzung oder Form folgten.

Tatsächlich ist wenig Kontinuität in den Werken, bekräftigt Nierhoff. Schaut man allerdings genauer hin, sieht man durchaus immer wiederkehrende Techniken, Formen, Ebenen, die in kleiner Variation neu auffallen. Aber genau dies ist die zwingende Konsequenz aus der "Abbildung eines technischen Prozesses", wie der Kunsthistoriker Professor Manfred Schneckenburger Nierhoffs Arbeit beschrieb. Solange immer die gleichen schweren Werkzeuge und die selben Techniken auf das selbe Material angewendet werden, ist außer dem Arrangement auf der Abbildungsfläche wenig Variation zu erwarten.

Anonym, roh, erdrückend und gewaltig

Die spiegelt sich auch in den Zeichnungen Nierhoffs wider, die der Künstler gegen Ende der 1970er Jahre vermehrt anfertigte. Es handelt sich allerdings weniger um Zeichnungen, da bei den formgebenden Schritten nur an wenigen Stellen gezeichnet wurde. Es handelt sich oftmals um Druckverfahren, in denen Schmiedelack (ein Gemisch aus Ruß und Motorenöl) mit Metallstücken auf Papier gedruckt wird.

Es entsteht das immer wiederkehrende Muster der Ebenen, die auch in Nierhoffs Plastiken allgegenwärtig sind. Treppen, Balken, Stufen. All dies mag der Betrachter darin sehen, obwohl sich der Künstler selbst einer Stellungnahme oder Interpretation vehement verweigert.

Anonym, erdrückend, roh und gewaltig erscheinen die Zeichnungen zum Teil, sind genauso kalt, wie das Endprodukt, mit dem die Werke vom Industrieabfall zur Kunst wurden. Dennoch kann sich der Betrachter einer gewissen Anziehungskraft nicht entziehen. Alltäglich ist es jedenfalls nicht, was noch bis August im Museum der Stadt Bad Berleburg zu sehen ist.

Eröffnet wurde mit dem Berleburger Teil der Doppelausstellung auch die diesjährige 36. Internationale Musikfestwoche. Zur Einstimmung vor dem am selben Abend folgenden Schlosskonzert musizierte Mette Hanskov (Kontrabass) mit Stefan Henke (Horn) drei kleine Sätze für Bass und Horn von Jean Blanc.

Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann würdigte Ansgar Nierhoff als einen Künstler, der Akzente in der Wittgensteiner Kulturlandschaft setze.

Vita

1977 bei der documenta 6

  • Ansgar Nierhoff wurde 1941 in Meschede geboren und ist gelernter Maurer. Nach dem Abitur besuchte er die Kunstakademie Düsseldorf.
  • 1977 nahm er an der documenta 6 teil und arbeitete sechs Jahre später zeitweise im New Yorker Atelier des US-amerikanischen Bildhauers George Rickey.
  • Seit 20 Jahren ist Nierhoff Professor an der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz.
  • Der andere Teil der Doppelausstellung ist noch bis zum 20. Juli im "kunsthaus alte mühle" in Schmallenberg zu sehen.
  • Am 16. August findet eine Wanderung mit Ansgar Nierhoff über den Rothaarsteig statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr das Museum am Goetheplatz.
Westfälische Rundschau (WR)

Westfälische Rundschau (WR) vom 09.07.2008
Bildquelle: WR-Foto (1) von Stefan Kascherus

 
 


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