Auftaktkonzert der 36. Musikfestwoche
Schuberts Wandererfantasie im Mittelpunkt

Künstler/innen des Eröffnungsabends der Musikfestwoche auf Schloss Berleburg, der unter dem Titel 'Berleburg-Salzburg-Wien' Beeindruckendes zu bieten hatte. (WR-Bild: Björn-Uwe Klein)
Künstler/innen des Eröffnungsabends der Musikfestwoche auf Schloss Berleburg, der unter dem Titel 'Berleburg-Salzburg-Wien' Beeindruckendes zu bieten hatte. (WR-Bild: Björn-Uwe Klein)

Glanzvolle Verwandlungskunst

Von Björn-Uwe Klein

Bad Berleburg. (buk) Eine musikalische Reise "Berleburg-Salzburg-Wien" bot das festliche Eröffnungskonzert der 36. Internationalen Musikfestwoche auf Schloss Berleburg. Eine Reise, die den Zuhörern Beeindruckendes zu bieten hatte.

Zu hören waren die Salzburger Solisten Luz Leskowitz (Violine), Vladimir Mendelsohn (Violine), Uwe Hirth-Schmidt (Violoncello) und Mette Hanskov (Kontrabass) sowie das "Twins-Quartett" Elena Issaenkova, Tatiana Issaenkova (Violine), Elena Alekseeva (Viola) und Irina Smirnova (Violoncello). Weitere Mitwirkende waren Stefan Henke (Horn), Heidi Litschauer (Violoncello) und Astrid Steinschaden (Klavier).

Erste Station in dem musikalischen Dreieck Berleburg - Salzburg - Wien war der Wittgensteiner Komponist Friedrich Kiel (1821 bis 1885). Überzeugend meisterten die Interpreten dessen Walzer op. 73 (Allegro commodo) für zwei Violinen, Viola und Violoncello mit der Abfolge von Heiterkeit, Leidenschaft und Spannung.

Es folgte das Quinett für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello von Wolfgang Amadeus Mozart, KV 593. Mit großer Leichtigkeit und vielen musikalischen Finessen überzeugten die Künstler in dem nach langsamer Einleitung beschwingten ersten Satz. Dieser endet abrupt, nachdem die Einleitung noch einmal aufgegriffen wird. Sehr ausdrucksstark kam im 2. Satz Adagio das dialogische Spiel von Violine und Violoncello zur Geltung. Präzise aufgerabeitet wurde die Kontrapunktik im dritten Satz, bis das Werk dann schließlich mit einer spielerisch-beschwingten Note endet.

Nächstes Ziel war Wien. Die junge Pianistin Astrid Steinschaden widmete sich Franz Schuberts "Wandererfantasie", einem der berühmtesten Klavierwerke überhaupt, das einerseits auf Beethoven zurückweist und mit seiner Wucht und Pracht bereits Franz Liszt vorahnen lässt, aber letztendlich doch reinster Schubert ist: Tiefgründig, alle Ängste und Seelenqualen in der Musik niedergelegt.

Sämtliche Themen aller vier Sätze lassen sich auf das Variationsthema des langsamen Satzes zurückführen, in dem Schubert einen Ausschnitt seines Liedes "Der Wanderer" zitiert: "Die Sonne dünkt mich hier so kalt, die Blüte welk, das Leben alt, und was sie reden, leerer Schall; ich bin ein Fremdling überall."

Astrid Steinschaden bot in ihrer Interpretation das, was man Klavierglück nennen müsste, wenn es nicht um die Musik eines Unglücklichen ginge, um Schuberts Töne der Todesnähe.

Zu hören war kein ausnahmslos stürmisch-aufgedonnerter Schubert. Die Pianistin, der die technisch schwersten Stellen souverän gelangen, bezwang auch dort, wo Leises, Zartes, Wehmütiges zu artikulieren war. Sie spielte Schuberts Fantasie als ein Stück glanzvoller Verwandlungskunst, als Zeugnis letzter Einsamkeit.

Zuletzt erklang Ludwig van Beethovens Hornsonate (op. 17) in einer Bearbeitung für Streichquartett und Horn von Carl Khym, das an diesem Abend erstmals in dieser Besetzung gespielt wurde.

Bearbeitung verrät Geschmack und Stilgefühl

Tatsächlich weist dieses Stück auch einen Bezug nach Berleburg auf, wie der Geiger Luz Leskowitz erläuterte: Vor über 20 Jahren sei er beim Herumstöbern in der Hofbibliothek von Schloss Berleburg auf das Werk, wie es unter der Mitwirkung von Khym zustande gekommen ist, gestoßen. Carl Khym, der sich mitunter auch Charles nannte, war wahrscheinlich gleichen Alters wie Beethoven, stammte aus Böhmen und war ein achtbarer Komponist im Stil seiner Zeit. Seine Bearbeitung von Beethovens Hornsonate verrät Geschmack und Stilgefühl.

Stefan Henke blies ins Horn und untermalte das Stück mal drängend, mal jubelnd-emporschwingend. Ein gelungenes Zusammenspiel, dessen prachtvolle Klänge schließlich in einen lang anhaltenden Applaus mündeten.

Eröffnung

Dank für viele Jahre der Gastfreundschaft

  • Otto Marburger, Vorsitzender der Kulturgemeinde Bad Berleburg, ging in seiner Eröffnungsrede auf die historische Bedeutung der Konzertreihe für Bad Berleburg ein und dankte der Schirmherrin, IKH Prinzessin Benedikte, für die "vielen Jahre der Gastfreundschaft in der Neuzeit":
  • "Sie glauben gar nicht, wie sehr es uns freut, dass Sie bei uns statt in Südafrika sind, obwohl der Anlass, die Unsicherheit im Lande, eher traurig ist", so Marburger.
  • Ebenso sprach Otto Marburger der "Regentin" Carina Axelsson seinen Dank aus und verband damit die Hoffnung, "dass sich Weitherzigkeit und Großzügigkeit des Hauses gegenüber Künstlern und Kunst auch in der jüngsten Generation ungebrochen fortsetzt."
Westfälische Rundschau (WR)

Westfälische Rundschau (WR) vom 09.07.2008
Bildquelle: WR-Foto (1) von Björn-Uwe Klein

 
 


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