Konzerterlebnis mit den Kammerchören
aus Bad Berleburg und Schmallenberg
Friedvolle und
sanftmütige Musik
Bad Berleburg. (mvh) Im gedämpften Licht des Novembers und der Ev. Stadtkirche Bad Berleburg stand das Kammerchorkonzert der Kammerchöre Bad Berleburgs und Schmallenbergs sowie des Kammerorchesters Schmallenberg. Interpretiert wurden unter der Leitung von Anna Schauerte die Messe solennelle op. 16 von Louis Vierne sowie das Requiem op. 48 von Gabriel Fauré.
Obwohl ihn Frankreich fast vergessen hat, leben seine Werke auch noch 70 Jahre nach seinem Tod in Deutschland weiter. Die Rede ist von Louis Vierne, der mit einer Sehbehinderung geboren wurde und im Laufe seines Lebens immer mehr an Sehkraft verlor. Doch sein Talent wurde gestärkt, denn mit 30 Jahren, als die Messe solennelle op. 16 erschien, wurde er in Paris zum Titularorganisten von Notre-Dame gewählt und gab dieses Amt bis zu seinem Tode nicht ab. Die Messe solenelle, die 1900 erschien, ist sein bekanntestes Werk. Viernes Musik steht im Zeichen der Spätromantik bis hin zum Impressionismus, was sich stark im Vanitas-Gedanken, also im Zeichen der Vergänglichkeit alles Materiellen, aber auch in der Ewigkeit des nichtmateriellen ausdrückt. Dass die Messe solennelle überhaupt aufgeführt werden konnte, ist Ulrich Schauerte zu verdanken, der das Stück extra für Orgel, Streicher und Chor überarbeitet hatte.
"Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen." (Requiem aeternam dona eis, Domine, et lux perpetua lucaet eis.), so heißt es in dem Werk des zweiten Komponisten des Abends, Gabriel Fauré, der für eine Art Revolution in der Komposition der Totenmesse sorgte. Er verzichtete auf das "Dies Irae", was übersetzt etwa die Androhung der Höllenqualen des himmlischen Strafgerichts bedeutet. Fauré hatte auf diese Weise auf das Fügsamkeitsmittel der Kirche verzichtet und ein eigenes Bild vom Jenseits erschaffen, das sich in friedlicher Ruhsamkeit ausdrückt. Anders als bei Vierne, befasst sich Fauré mit dem Gedanken des "Memento mori" ("Bedenke, dass du sterben wirst.") und die Art, wie er sterben würde, denn im Gegensatz zur Kirche, war seiner Ansicht nach der Tod friedvoll und sanftmütig, es sei ein Streben nach dem Jenseits. Und so ist auch das Requiem komponiert: Sehr sensibel, schon Impressionistisch und effizient, aber dennoch voluminös nach außen durch die Verbindung der hohen mit den tiefen Stimmen.
Anna und Ulrich Schauerte (Orgel) sowie die Kammerchöre und das Kammerorchester haben dem Publikum ein gelungenes Konzert beschert und die bewegenden Seiten der meist so unangenehmen Jahreszeit aufgetan.
Westfälische Rundschau (WR) vom 14.11.2008
Bildquelle: WR-Foto (1) von Haupt








