Westfalentag 2008: Traditionsbewusstsein nimmt zu
Heimatbund-Vorsitzender: "Westfalen darf in der Landespolitik nicht unter ferner liefen rangieren"
Bad Berleburg. (ab) Westfalen zu Gast in Bad Berleburg: Der Westfälische Heimatbund, Dachorganisation von 530 westfälischen Heimatvereinen, hatte zum Westfalentag nach Bad Berleburg eingeladen, das sein 750-jähriges Bestehen feiert. 500 Heimatfreunde folgten der Einladung.
Anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums fand in Bad Berleburg der Westfalentag statt. Die Hauptversammlung der 350 westfälischen Heimatvereine. Der Westfalentag geht traditionell auch mit der jährlichen Mitgliederversammlung des Westfälischen Heimatbundes einher, die am Samstag im Bürgerhaus stattfand. Der Vorsitzende, Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe LWL, wies auf die Bedeutung der Traditionen in Westfalen hin, die in immer stärkerem Maße zunähmen: "Die Bindung des Menschen an seine vertraute Umgebung lässt sich nicht so ohne weiteres auflösen." Deshalb könne er es auch nicht verstehen, wenn die Landesregierung unter dem Stichwort "Verwaltungsneugliederung" Maßnahmen in Angriff nehme, die die Heimatverbundenheit der Menschen bedrohten. Zwar gebe es viele gewichtige Stimmen, auch aus dem Wittgensteiner Land und dem Siegerland, die die grundsätzlichen Ziele einer Verwaltungsvereinfachung für richtig hielten. Zugleich sei immer wieder betont worden, dass man es aber für falsch halte, die Landschaftsverbände abzuschaffen, so Kirsch.
Und auch aus der Landespolitik seien mittlerweile Zeichen gekommen, dass von einer Auflösung der Landschaftsverbände im Koalitionsvertrag ohnehin nicht die Rede sei. Beim SPD-Landesparteitag sei die Zerschlagung ebenfalls abgelehnt worden. Kirsch rief die Versammlung aber dazu auf, der Situation nicht zu trauen und sich weiterhin für die Belange Westfalens und seines Landschaftsverbandes einzusetzen: "Westfalen darf in der Landespolitik nicht unter ferner liefen rangieren."
Mit einem Festvortrag zur Denkmalpflege in Westfalen von Dr. Markus Herzenetter, Leiter des LWL-Amtes für Denkmalpflege in Westfalen, endete der Vormittag. Aktuell sind in Westfalen 27.000 Denkmäler eingetragen, Herzenetter wagte die Prognose, dass diese Zahl auf 32.000 steigen werde. Diese Zahlen lägen aber weiterhin hinter denen des Rheinlandes oder auch Bayerns. "Die Schwelle, bis ein Denkmal auch wirklich eingetragen wird, ist bei uns sehr hoch. Dies bedeutet aber auch, dass die Qualität der Denkmalpflege bei uns einen hohen Standard hat", lobte LWL-Direktor Kirsch die Denkmalpflege und appellierte an alle Heimatfreunde, sich weiter um den Bestand zu kümmern. Er dankte den vielen Heimatfreunden, die zum Gelingen des Westfalentages beigetragen hatten sowie der Stadt Bad Berleburg für die hervorragende Organisation.
Auf dem Marktplatz nutzten viele Heimatvereine aus der Region den Westfalentag, um sich und ihre wertvolle Arbeit rund um die Heimatpflege vorzustellen: mit historischer Handwerkskunst, Mundartdarbietungen und vor allem mit kulinarischen Spezialitäten aus der Region. "Durch den Markt bekommen auch andere Vertreter wieder neue Anregungen", freute sich Kirsch über die breite Palette der Angebote.
Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann freute sich, dass nach 44 Jahren (damals in Schwarzenau) der Westfalentag wieder in Bad Berleburg tagte und lobte die Heimatfreunde: "Die Heimatpflege ist hier lebendig und nicht verstaubt." Landrat Paul Breuer betonte, dass die Region die Möglichkeit habe, sich in ihrer selbstbewussten Art und Weise darzustellen.
Nachmittags folgten die Teilnehmer dem Brauch des Westfalentages, heimatkundliche Fragen in Arbeitskreisen zu erörtern. Zum einen ging es um aktuelle Fragen der Denkmalpflege, zum anderen um die Bereicherung der heimischen Fauna durch Wisent, Luchs und Wildkatze.
Außerdem wurden heimatkundliche Exkursionen in die Region angeboten. Besichtigt wurden das Schloss Berleburg, das Bundesgolddorf Diedenshausen sowie die Alte Schmiede in Arfeld und das Schieferschaubergwerk in Raumland. Besonders die Schlossbesichtigungen waren beliebt: Gleich vier Führungen mussten durchgeführt werden. Den Abschluss bildete eine ökumenische Andacht in Wittgensteiner Mundart mit dem katholischen Pfarrer Bernhard Lerch und dem evangelischen Pfarrer Ulf Lückel.
Westfälische Rundschau (WR) vom 19.05.2008
Bildquelle: WR-Fotos (6) von Alexander Belz













