Konzert mit dem "Abegg-Trio" bot Klangkultur
und Artikulation von hohen Graden
Pures Kammermusik-Glück
im Schloss Berleburg
Bad Berleburg. (wo) Zwei Stunden pures Kammermusik-Glück. Klangkultur und Artikulation von hohen Graden. Das Schlosskonzert der Kulturgemeinde Bad Berleburg mit dem renommierten Abegg-Trio hielt das bereit, was die Herzen der Kammermusikfreunde höher schlagen lässt. Ausgefeilte, interessante Interpretationen und mit Beethovens bedeutendem Klaviertrio op.1 Nr. 2 in G-Dur sowie dem berühmten Dumky-Trio von Antonin Dvorak ein erlesenes und anspruchsvolles Programm.
Darin engebettet erklang das 5. Klaviertrio in G-Dur op. 34 von Friedrich Kiel. Ein Werk, das sicher nicht die Klasse und Finesse eines Beethoven oder Dvorak hat, aber gleichwohl meisterhaft gearbeitet ist und besonders im Mittelteil des langsamen zweiten Satzes (Allegretto grazioso) oder dem Schlusssatz (Allegro vivace e scherzando) Originelles zu bieten hat.
Das ist sicherlich auch der Grund, warum Werke von Friedrich Kiel, der 1821 in Puderbach geboren wurde und in Berlin als Kompositionsleher sehr angesehen war, in den vergangenen Jahren häufig im Konzertsaal gespielt werden und auch vermehrt auf CD erhältlich sind.
Der Anfang des Konzertes galt Ludwig van Beethoven, dem frühen Klaviertrio in G-Dur, op.1 Nr. 2, das in seiner kompositorischen Anlage bereits Möglichkeiten der Zukunft bereithält: Schubert und Rossini lassen grüßen, zwei Komponisten, die 1793/94 entweder noch gar nicht geboren waren (Schubert) oder gerade erst in den Windeln lagen (Rossini) und deren Werk exemplarisch für die Musik des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts steht.
Das Übermütig-Spielerische des ersten Satzes klang bei den Abeggs sehr schön durch, auch wenn der Geiger Ulrich Beetz etwas zu blass blieb. In die Welt der Romantik entführte der langsame Satz (in Schuberts Tonart E-Dur), wo das Trio mit einer tief berührenden Innigkeit und Ernsthaftigkeit musizierte. Humor, gespickt mit derben Akzentuierungen hält das Scherzo bereit, und der Schlusssatz mit seinem Übermut hätte sicher auch den Buffo-Großmeister Rossini inspiriert.
Das Abegg-Trio stand konsequent für Kammermusik, scheute jede orchestrale Wirkung - hier waren drei passionierte Veredelungskünstler am Werk.
Herausragend dabei der Pianist Gerrit Zitterbart, ein in Anschlagskultur und Musikalität diskreter Kammermusikpianist, der stets auf seine beiden Partner lauscht, während er aber in Wahrheit die Zügel straff in den Händen hielt. Es kennt offenbar die alte Herrschermoral, dass am nachhaltigsten regiert, wer aus dem Hintergrund regiert.
Höhepunkt des Abends war Antonin Dvoraks berühmtes Dumky-Trio. Selten hat man den poetischen Zauber des elegischen Volkslied(Dumka)-Tones so innig empfunden wie bei dieser authentischen Aufführung. Klavier und Streicher wetteiferten in der zarten Abtönung der schlichten, anrührenden Melodien, die von melancholischem Moll zu seligem Dur aufblühen.
Ein Abend im Bad Berleburger Schloss, der vergessen ließ, was so ziemlich jeden Musiker bändigt: Das Gemeine des Taktstrichs, die Mühsal des Phrasierens und den Kummer mit der bloßen Spieltechnik.
Von Andreas Wolf
Hintergrund
Westfälische Rundschau (WR) vom 21.10.2008
Bildquelle: WR-Foto (1) von Andreas Wolf (wo)








