Das Mittelalter hielt erneut Einzug im Grünewald
Der Wittgensteiner Tross lud zum "Strief"

Kochlöffel sind mächtiger als Schwerter

Berghausen / Grünewald. (sk) "He da, ihr lustig Leut', kommt und trinkt und feiert heut'!" Dem Aufruf des Marktschreiers folgten an diesem Wochenende wieder zahlreiche Gäste, die am Gasthof Grünewald eine Zeitreise in längst vergangene Tage unternahmen.

Das Schlachtfeld im Grünewald: Gesäumt von zahlreichen Schaulustigen trafen dort die mittelalterlichen Heere aus Landsknechten und Rittern im Schaukampf aufeinander. (WR-Foto: Stefan Kascherus)
Das Schlachtfeld im Grünewald: Gesäumt von zahlreichen Schaulustigen trafen dort die mittelalterlichen Heere aus Landsknechten und Rittern im Schaukampf aufeinander. (WR-Foto: Stefan Kascherus)

Der Geist des Mittelalters ging um im Grünewald: Ritter und Knappen, Patrizier und Plebejer, Barone und Leibeigene, Zunftbürger und Gesellen zeigten von den Fahrten der Wikinger bis in die Renaissance, wie unsere Vorfahren und deren Nachbarn stritten, tranken, schliefen und arbeiteten.

33 mittelalterliche Trosse aus ganz Deutschland schlugen an den Ufern der Eder ihre Zelte auf und begannen teilweise schon eine Woche vorher mit dem Lagerleben: Gemüsesuppe aus dem gusseisernen Topf wurden ebenso wie die Steaks der normannischen Söldnergruppe über der Feuerstelle zubereitet - Natürlich von den Frauen des Lagers. Emanzipation weit gefehlt? - Nein! Nachdem dem Reporter mitten auf der Heerlagerwiese ein leicht torkelnder Ritter aus Wingeshausen mit den Worten "Wollt ihr mein Schwert kaufen?" begegnete und ihm die Schreibende Zunft entgegnete, dass die Feder mächtiger als das Schwert sei, bekräftigt dieser, dass in seinem Lager der Spruch "der Kochlöffel ist mächtiger als das Schwert" weitaus häufiger von den Damen des Zuges gebraucht werde.

Kein Wunder war es da, dass Stev Bachmann von der Hammertaverne Mjölnir (altnordisch, Hammer des Thor) erklärte, dass sein Waldbeermet das beste Mittel weit und breit sei, ein einsames Burgfräulein zu betören. Von ritterlicher Seite dürfe bei Kochlöffel schwingenden Burgfräulein schon mal mit einem Glas Prosecco und einem Schuss Waldbeermet etwas nachgeholfen werden.

Immerhin sei verständlich, dass die Burgfräulein vorher nicht sehr für männliches Bewerben empfänglich seien. Während ihre Gatten sich hoch zu Ross fortbegäben, um zu trinken, zu feiern "und sich anschließend mit einem Adeligen ihrer Wahl ein bisschen zu kloppen", müssten diese schließlich in einem zugigen Burgzimmer Teppiche weben. Weitere Spezialität der Taverne war das Metbier: Ein Schuss lieblicher Met in ein Glas privatgebrautes Schwarzbier und eine kulinarische Besonderheit nach Wikingerart ist geboren - Verzehr mit anschließendem Schwertkampf auf eigene Verantwortung.

Besonderes Augenmerk der Besucher fiel in diesem Jahr außerdem auf den mittelalterlichen Handwerkermarkt: Schmiede, Gerberei, Filzerei und Drechselerei demonstrierten dem interessierten Fußvolk, wie im Mittelalter Bohrer und Drechselbank bedient wurden und bei welcher Temperatur ein Schwert geschmiedet werden kann.

In der Bierbrauerei an der Heerlagerwiese zeigte Stammgast Ernesto aus Wien, wie aus einem Aufguss aus Getreide und Gewürzen (beispielsweise Lavendel) mittelalterliches Bier wird. Alkoholgehalt: schaukampftaugliche null Prozent.

Nebenan bauten einige Kinder aus frisch aus der Eder geholtem Lehm einen Brennofen.

Auf dem Markt fanden sich vielerlei Stände mit mittelalterlichen Zeugwaren, Gewändern und Genussmitteln. Da durften weder der Haselnussgeist, noch der Pflaumenessig von Jutta Gramsch von der Mosel fehlen; ebenso wenig die hervorragende Wildschweinbratwurst des Gasthofes Grünewald.

Besucherrekord erneut übertroffen

Der Besucherrekord aus dem vergangenen Jahr sei bei diesem nunmehr achten Grünewälder Strief noch übertroffen worden, erklärt Mirko Hirschfeld vom Wittgensteiner Tross. Aus der gesamten Republik kamen Akteure, Gaukler, Musiker und Handwerker, um dem Wittgensteiner Volk die Vergangenheit zu zeigen. Zwischen kulinarisch verlockenden Düften, dem entfernten Geklirr der Schwerter beim Erstürmen der Burg und dem Geschrei des Marktvolkes wurde der Entschluss gefasst, auch nächstes Jahr wieder einen "Strief" zu veranstalten.

Von Stefan Kascherus

Westfälische Rundschau (WR)

Westfälische Rundschau (WR) vom 23.09.2008
Bildquelle: WR-Foto von Stefan Kascherus (sk)

 
 


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